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Die Rückkehr in Mini

C64 Mini

Nach dem Nintendo Classic Mini: NES, dem Nintendo Classic Mini: SNES und dem Retro Flasback Mega Drive betritt nun ein weiterer “Oldcomer” das Feld. Mit dem C64 MIni (THEC64 Mini um genau zu sein). Retro Games Ltd aus Großbritannien ist ein kleines Unternehmen, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, den erfolgreichsten Heimcomputer aller Zeiten zu reanimieren. Den Vertrieb für Deutschland übernimmt Koch Media und schreibt dazu:

“Wir sind unglaublich stolz, die Möglichkeit zu bekommen, einige der besten und von Fans bis heute geliebten Retro-Spiele zurück zu bringen”, sagt Paul Andrews Managing Director bei Retro Games. „Der TheC64® Mini ist ein Abbild der klassischen C64-Ära und das erste Produkt in einer geplanten Reihe.”

Ich persönlich bin diesem Ding sehr zugetan. Einen alten Freund komplett, neu ausgestattet. Neuste Hard- und Software problemfrei am neusten Flat-TV und das in Oldschool-Optik. Auch der Preis stimmt. Nun, da muss doch ein Haken sein. Den gab’s doch auch bei den anderen “Minis”. Das NES und SNES Mini boten nur Vorinstallierte Spiele an (den Hack lassen wir mal Außen vor), Das Retro Flashback Mega Drive kämpft mit mangelhafter Emulation und schlechtem Vertrieb. Also muss auch der C64 Mini was haben.

Package Design

Fangen wird mal im Spätsommer des letzten Jahres an. Eine Indiegogo Kampagne für einen neues C64 nebst C64 Handheld wird vorgestellt. Man (Retro Games Ltd) wünscht sich 150 000 US$, erreicht jedoch nur 100 611 US$. 435 User glauben jedoch an das Projekt. Nach einigen kleinen Updates wird es dann erstmal Still. Auf Indiegogo und ihrer ersten Projekt Website https://the64.computer wird es erstmal Still. Im Mai diesen Jahres gibt es dann Änderungen im Plan. Man fokussiert sich auf eine mini Variante. Der Modulschacht für C64 Module fällt weg und man rückt den Handheld weit in die Zukunft, verspricht jedoch die große Keyboard Version weiterhin zu entwickeln. Im September erfolgt die weltweite Ankündigung des C64 Mini. Von einem großen Bruder berichtet die neue Website https://thec64.com/ freilich nichts und von einem Handheld schon gar nicht. Stattdessen findet sich auf der alten Seite ein Hinweis für die Backer, dass diese ihren “Großen” auf jeden Fall erhalten werden und dazu einen Mini obendrauf. Klingt ja erstmal nicht schlimm. Die Backer bekommen wofür sie bezahlt haben und alle sind glücklich, aber sorry, so einfach geht dann doch nicht. Retro Games Ltd hatte Ursprünglich eine moderne Form des C64 versprochen. Dazu hätten 250 neue und alte Spiele (auch einige Exklusive) erscheinen sollen. Auch ein Handheld wurde versprochen nebst einigen anderen Features (siehe Kampagne). Erhalten werden die Backer lediglich einen C64 Mini in Groß, dessen Tastatur funktioniert und nicht wie beim Mini extra ein externes benötigt und einen C64 Mini. Alle anderen, versprochenen Dinge gibt es nicht mehr. Der deutsche Vertrieb Koch Media verliert darüber natürlich kein Wort, ist man dort stolz auf ein fast fertiges Produkt. Auch die Medien haben bislang kein Wort darüber verloren und soweit ich dass überblicken kann bin ich der einzige (außer vielleicht Pat the NES Punk) der dazu etwas zu sagen hat. Dieses Produkt, so toll es im ersten Moment erscheinen mag, wurde auf dem Rücken von 435 Menschen erbaut. die man weitestgehend belogen hat. Sie werden abgefertigt damit niemand sagen kann, Retro Games Ltd hätte sie beschissen. Und wenn ihr jetzt denkt ich würde übertreiben, dann frage ich euch. Wie schnell waren die ersten beiden Vorverkäufe des C64 Mini beendet? Wie groß waren dabei die Margen? Retro Games Ltd hat also mit dem Geld aus der Kampagne ein Produkt gefertigt, dass billig zu produzieren ist, einfach zu verkaufen und durch die neue “Mini Mode” auf einer Erfolgswelle mit schwimmen kann. Das Ursprüngliche Produkt wäre sicherlich nur Nischenprodukt geworden und hätte bei weitem nicht das selbe Aufsehen der Mini Variante erregt. Die Kosten für die Produktion wurden komplett auf den Kunden umgelegt und das Risiko weitestgehend minimiert. Mit der Auslieferung aller Vorbestellungen aus Indiegogo und der alten Pre-Order Seite, machen die Jungs nur noch Gewinn. Man kann es sich einfach machen und sagen, wer bei solchen Crowdfundings mitmacht, hat eben ein Risiko. Soweit stimme ich zu. Jedoch ist ein kompletter Strategiewechsel nun wirklich nichts womit man so einfach rechnen kann. Selbst die Ouya wurde in der Form gelauncht wie sie angekündigt wurde, auch wenn sie nicht so toll war. Man hat schlicht das ganze Produkt geändert. So als hätte man ein Motorrad bestellt und einen Tretroller bekommen. Beide haben zwei Räder wie versprochen, aber alles dazwischen ist anders. Wie steht es nun um das C64 Mini? Ich schätze man kann das Teil kaufen. Es wird wahrscheinlich ein moderates Produkt mit den gleichen Features wie alle anderen Minis werden. Nur der moralische Standpunkt stört. Aber wer bin ich schon, eine solche Posse der Marktwirtschaft zu verurteilen.

 

Bildquelle: http://presse.kochmedia.com/de/Die-Wiedergeburt-des-meistverkauften-Heimcomputers